Warum Helfen hilft

Heute Morgen bekomme ich eine Nachricht einer langjährigen Freundin.
Seit ich ihr zum letzten Mal vor 15 Monaten begegnet bin, ist viel passiert. Eine schwere Krise, ein Beziehungsdrama, hat sie in die Tiefe gerissen: Medikamente, Therapien und es schien mit dem kein Ende zu nehmen.

Anfangs erkundigte ich mich noch regelmäßig bei ihr. Wollte ihr Trost spenden und irgendwas tun, was ihr helfen könnte. Aber schon bald merkte ich, dass ich ihr damit keine Erleichterung brachte. Also ließ ich das.

Gestern sah ich ihr neues Profilbild im Messenger und nahm es zum Anlass, mich bei ihr zu melden. Sie schrieb mir von ihrer schweren Zeit und dass alles besser geworden ist, seit sie den ukrainischen Müttern, die als Geflüchtete in ihrer Gemeinde aufgenommen wurden, helfen kann. Ganz ohne einen Anspruch auf Perfektion.

Erst beim zweiten Lesen entdeckte ich das, was mein Verstand längst wusste: Anderen helfen hilft am meisten einem selbst. In vielen Problematiken und Krisen unseres Lebens tun wir vor allem eins, wir kreisen um unser Problem und um darin um uns selbst.
Und wer schon mal einen Schlüssel verloren hat (oder etwas anderes wichtiges) der weiß, wie schwer es ist, ihn wieder zu finden, wenn man unablässig danach sucht.
Meistens findet er sich wie von selbst wieder an, wenn man dann anderen Dingen nach geht und sich nicht mehr auf den Verlust konzentriert.

So ist es auch mit den Sorgen um das, was uns fehlt: Gesundheit, Mut, Erfolg, ein Partner, ein Kind, … die Liste kann lang sein.

Die Lösung findet sich leichter, wenn wir den Verlust loslassen.

Loslassen kann man am einfachsten, in dem man sich auf etwas anderes konzentriert.

Indem man anderen Menschen in ihrer Not begegnet und Hilfe schenkt, kann man Zufriedenheit und Dankbarkeit erfahren.

Und auf diese Weise findet sich die Lösung für die eigene Situation vielleicht an einer Stelle, an der man nie gesucht hat. Aber egal wo und wie sie sich anfindet, die Zeit bis dahin kann man wirkungsvoller gestalten, als im Selbstmitleid abzuwarten.

Helfen heilt. Dem, der verschenkt wahrscheinlich noch viel als dem, der beschenkt wird.